Am Freitag um 18:30 Uhr starten die Oldenburger in der heimischen EWE Arena in die entscheidende Phase der Saison. Zum Auftakt wartet direkt ein wichtiges und richtungsweisendes Spiel gegen die starken Bonner. Damit steht zugleich ein wegweisendes Wochenende bevor.
Sollten die Oldenburger beide Partien für sich entscheiden, rücken die Play-Ins in greifbare Nähe. Gehen jedoch beide Spiele verloren, wird eine Qualifikation für die Top 10 deutlich schwieriger.
Am Freitag trifft das Team dabei auf einen äußerst formstarken Gegner. Die Bonner belegen mit 14 Siegen und 8 Niederlagen aktuell den dritten Tabellenplatz.
Ausgangslage
Mit dem dritten Tabellenplatz dürften die Bonner nach den vergangenen beiden Spielzeiten äußerst zufrieden sein. Die Mannschaft zeichnet sich vor allem durch ihre starke Defensive aus und lässt lediglich 78,7 Punkte pro Spiel zu. Das bedeutet ligaweit Rang drei. Auch im Defensiv-Rating liegen die Bonner mit einem Wert von 103,8 auf dem dritten Platz.
Weniger konstant präsentiert sich bislang die Offensive. Im Offensiv-Rating rangieren die Telkom Baskets lediglich auf Platz 13 mit einem Wert von 108,4. Vor allem aus der Distanz hapert es: Mit einer Dreierquote von 27,1 Prozent stehen die Bonner in dieser Kategorie am Ende der Liga.
Bei den Oldenburgern gilt es am Freitag zu zeigen, dass die beiden Spiele gegen Ulm sowie das TOP-FOUR-Halbfinale gegen Berlin lediglich Ausrutscher waren. Gegen zwei defensivstarke Mannschaften kassierte das Team zuletzt deutliche Niederlagen.
Allerdings muss auch erwähnt werden, dass beim Spiel gegen Ulm einige Akteure verletzungsbedingt fehlten und gegen Berlin wohl angeschlagen aufliefen. Das erschwert Partien gegen Topgegner natürlich erheblich.
Keys to win
Offensive ins rollen bekommen
Rebounds
Zone dicht machen
Foto: Ulf Duda / fotoduda.de
Im Spiel gegen die Bonner wartet erneut eine defensivstarke Mannschaft. Für die Oldenburger wird es daher entscheidend sein, ihre größte Stärke, die Offensive, ins Rollen zu bringen. Gleichzeitig muss das Team im Rebounding zulegen und darf vor allem nicht zu viele Offensivrebounds zulassen.
Zudem gilt es, die Zone konsequent zu schließen. Von außen präsentieren sich die Bonner bislang, wie bereits erwähnt, äußerst schwach. Entsprechend könnte es sinnvoll sein, den Fokus auf die Verteidigung unter dem Korb zu legen und Würfe von der Dreierlinie eher in Kauf zu nehmen, um die Zone dicht zu machen.
Ausblick
Es bleibt spannend, ob am Freitag die meisten Spieler zum Auftakt der entscheidenden Phase der regulären Saison fit zur Verfügung stehen und wie sich die Oldenburger gegen ein defensivstarkes Team präsentieren werden. Gelingt hier ein Erfolg, könnte das einen wichtigen Schub für das Derby gegen Vechta am Sonntag geben.
In einer Statistik sind die Oldenburger mit einigem Abstand Ligaspitze. Der Distanzwurf von der Dreierlinie fällt in dieser Saison unfassbar gut, mit 39,5 Prozent treffen sie 1,5 Prozentpunkte besser als der Zweitplatzierte, der FC Bayern Basketball, der bei 38 Prozent liegt. In den vergangenen vier Spielzeiten gab es nur eine Mannschaft, die eine bessere Quote als 39,5 Prozent von der Dreierlinie erreicht hat und das war in der Saison 2023/24 ebenfalls der FC Bayern Basketball mit Spielern wie Niels Giffey, Andreas Obst, Isaac Bonga, Sylvain Francisco oder Carsen Edwards.
Doch wer sind eigentlich die besten Schützen der EWE Baskets Oldenburg?
Foto: Ulf Duda / fotoduda.de
Ein Blick auf die Statistiken zu Versuchen und Dreierquote zeigt, dass Chris Clemons im Team bei Versuchen vorne liegt. Er hat 141 Würfe von der Dreierlinie genommen und trifft starke 41,1 Prozent. Erwähnenswert ist zudem, dass 39 seiner 58 erfolgreichen Dreier aus der Isolation entstanden sind.
Die beste Dreierquote weist James Woodard auf. Er trifft hervorragende 45,9 Prozent bei 74 Versuchen. Von seinen 34 erfolgreichen Dreiern wurden 27 durch einen Assist vorbereitet. Clemons und Woodard sind damit definitiv besonders hervorzuheben, wenn es um die Distanzwürfe der Oldenburger geht.
Zu erwähnen ist außerdem Kyle Lofton, der in dieser Saison in sechs Einsätzen 75 Prozent seiner Dreier verwandelt hat. Er nahm acht Würfe von außen und traf davon sechs. Aufgrund der geringen Stichprobe wurde er jedoch ebenso wenig in die Grafik aufgenommen wie Jon’Il Fugett und Ralph Hounnou.
Ausblick
Schaut man auf die Dreierquote der Oldenburger in den vergangenen zehn Spielen, fällt auf, dass sie bei starken 44,2 Prozent liegt. Sollten die Oldenburger diesen Schnitt halten oder nur leicht darunter bleiben, könnte ihnen die beste Dreierquote eines Teams in der BBL der vergangenen vier Spielzeiten gelingen und sie würden die Saison mit einer beeindruckenden Quote von über 40 Prozent abschließen.
Als am Sonntag um 18:30 Uhr der letzte Wurf von Alba Berlin-Spieler Jack Kayil sein Ziel verfehlte und die BMA365 Bamberg Baskets damit Pokalsieger 2026 wurden, befanden sich noch zahlreiche Oldenburger Fans in der Halle und spendeten Applaus.
Obwohl die eigene Mannschaft nach der Niederlage am Vortag an diesem Sonntag nicht mehr im Einsatz war, sah man viele Fans mit dem Logo der EWE Baskets Oldenburg auf Pullovern oder T-Shirts durch die Halle laufen.
Die Stimmung war zwar etwas getrübt, dennoch hatte man das Gefühl, dass die Anhänger stolz auf ihr Team waren, schließlich stand man nach dem schwierigen Saisonstart überhaupt in München beim TOP FOUR.
Auf der anderen Seite der Arena herrschte jedoch nicht nur klatschender Applaus, sondern pure Ekstase. Mit der Schlusssirene krönten sich die BMA365 Bamberg Baskets völlig überraschend zum Pokalsieger, und die rote Ecke der Halle verwandelte sich in ein lautstark jubelndes Fahnenmeer.
Mit dem geringsten Etat der Liga gelang der Mannschaft um Anton Gavel der große Coup. Im Halbfinale schaltete Bamberg den Ligaprimus FC Bayern Basketball aus, im Finale folgte der nächste Paukenschlag gegen Alba Berlin, das Team mit dem zweithöchsten Etat der Liga.
Halbfinale 1:FC Bayern Basketball gegen BMA365 Bamberg Baskets
Das erste Halbfinale war kaum an Spannung zu überbieten. Es ging ständig hin und her, keine Mannschaft konnte sich entscheidend absetzen. Genau das spielte den BMA365 Bamberg Baskets in die Karten, denn für sie war es wichtig, die Partie möglichst lange offen zu halten.
Kurz vor Schluss führte das Team von Anton Gavel sogar mit sechs Punkten, kassierte jedoch noch zwei Dreier von Andreas Obst und Nenad Dimitrijevic, sodass es in die Verlängerung ging. Zunächst schien das Momentum nun auf Seiten des FC Bayern Basketball zu liegen, doch es entwickelte sich ein Offensivspektakel von der Dreipunktlinie.
In sieben aufeinanderfolgenden Angriffen fielen sieben Dreier, mit einem Treffer mehr auf Bamberger Seite. So entschieden die Franken die Partie für sich und zogen überraschend ins Finale ein.
Halbfinale 2: Alba Berlin gegen EWE Baskets Oldenburg
Für die Oldenburger begann die Partie zunächst vielversprechend, früh lag man mit vier Punkten in Führung. Doch es sollte die einzige Führung im gesamten Spiel bleiben, denn anschließend drehte Alba Berlin auf und stellte bis zum Ende des ersten Viertels auf plus elf.
Vor allem beim Rebound offenbarten die EWE Baskets Oldenburg große Probleme. Zwar stand Michale Kyser nach seiner Verletzung wieder im Kader, wirkte jedoch noch nicht bei hundert Prozent. Auch Filip Stanic war nicht fit, sodass es schwer war, gegen die reboundstarken Berliner dagegenzuhalten. Ein Blick auf die Statistik unterstreicht das deutlich, Berlin sicherte sich 52 Rebounds, Oldenburg lediglich 24.
Gerade defensiv schmerzte das, denn häufig holten sich die Berliner den Offensivrebound und spielten den Ball anschließend an die Dreipunktlinie, wo offene und meist erfolgreiche Würfe genommen wurden. Wirklich spannend wurde es nur noch einmal kurz vor Ende des zweiten Viertels. Kyle Lofton hatte an der Freiwurflinie die Chance auszugleichen, vergab jedoch beide Versuche, sinnbildlich für einen Abend, an dem einige Würfe einfach nicht fallen wollten.
Im letzten Viertel versuchten die Oldenburger mit einer Zonenverteidigung, die Berliner zu Fehlern zu zwingen. Das gelang phasenweise, fünf Ballverluste wurden erzwungen. Offensiv konnte man daraus jedoch kein Kapital schlagen. So gewann Berlin am Ende deutlich und verdient mit 92 zu 72.
Finale: BMA 365 Bamberg Baskets gegen Alba Berlin
Das Finale entwickelte sich ebenso spannend wie das erste Halbfinale am Vortag. Von Beginn an zeigten die Berliner ihre Reboundstärke, die sie bereits tags zuvor demonstriert hatten. Besonders Justin Bean sammelte sechs Offensivrebounds und sorgte damit für zahlreiche Second-Chance-Points.
Im Vergleich zu den EWE Baskets Oldenburg ließen die BMA365 Bamberg Baskets jedoch nicht nach und blieben stets in Schlagdistanz. Als zum Ende hin auch die Dreipunktewürfe der Bamberger fielen, entwickelte sich ein packender Schlagabtausch, bei dem die Franken knapp die Oberhand behielten.
Sieben Sekunden vor Schluss erzielte der später zum MVP des TOP FOUR gekürte DeMarcus Demonia den entscheidenden Wurf zum Sieg. Den letzten Angriff der Berliner verteidigten die Bamberger konsequent, sodass Jack Kayil nur noch einen stark bedrängten Wurf abgeben konnte, der daneben ging und in der Bamberger Ecke des SAP Garden für pure Euphorie sorgte.
Mit zwei denkbar knappen Spielen krönten sich die Bamberger zum Pokalsieger und sorgten damit im zweiten Jahr in Folge für einen Überraschungssieg beim TOP FOUR.
Was bleibt für Oldenburg von diesem Wochenende?
Die EWE Baskets Oldenburg können stolz darauf sein, es bis ins TOP FOUR nach München geschafft zu haben. Aus dem Spiel nehmen sie die Erfahrung eines Do or Die Spiels vor großer Kulisse mit, ein Faktor, der im weiteren Saisonverlauf noch entscheidend werden kann.
Gerade wenn es zum Ende der Spielzeit um die Teilnahme an den Play Ins oder den Playoffs geht, dürfte diese Erfahrung wertvoll sein. Auch in möglichen Play In Partien kann ein solcher Auftritt helfen, mit Drucksituationen besser umzugehen.
Darüber hinaus hat die Veranstaltung insgesamt große Freude bereitet und Lust auf mehr gemacht. Das sollte zusätzliche Motivation für die kommende Saison sein, erneut den Einzug ins TOP FOUR anzupeilen.
Ausblick
Für die EWE Baskets Oldenburg heißt es nun, den Fokus vollständig auf die entscheidende Saisonphase zu richten und das TOP FOUR rasch abzuhaken. In einer so engen Tabelle wie in dieser Spielzeit ist weiterhin vieles möglich, selbst ein direkter Playoff-Platz bleibt in Reichweite.
Ein Vorteil für Oldenburg: Gegen fast alle direkten Konkurrenten im Rennen um die Playoff- und Play-In-Plätze stehen die direkten Duelle noch aus. Gegen Niners Chemnitz und die MHP RIESEN Ludwigsburg konnte man den direkten Vergleich bereits für sich entscheiden, lediglich gegen ratiopharm Ulm ging dieser verloren.
Jetzt gilt es, mit voller Motivation in den Saisonendspurt zu starten. Zum Auftakt steht ein Doppelspieltag an: Am Freitag, den 6. März, empfängt Oldenburg die Telekom Baskets Bonn in der großen EWE Arena mit dem klaren Ziel, wieder auf einen Play-In-Platz zu klettern. Nur zwei Tage später, am Sonntag, den 8. März, folgt das Derby gegen RASTA Vechta.
Dieses Jahr bietet das Top Four einiges an Tradition. Bamberg, München und Berlin bringen gemeinsam 22 Pokalsiege mit, während Oldenburg mit drei Finalteilnahmen glänzt, darunter der Pokalerfolg der EWE Baskets im Jahr 2015. Die Tradition wird besonders deutlich, wenn man betrachtet, wie oft bereits Finals stattfanden, in denen zwei der vier Mannschaften aufeinandertrafen. So spielten Alba Berlin und die EWE Baskets Oldenburg 2020 im Finale gegeneinander, das Berlin am Ende für sich entschied. Im zweiten Halbfinale treffen FC Bayern Basketball und die BMA 365 Bamberg Baskets aufeinander. Diese beiden Teams standen sich 2017 im Pokalfinale gegenüber, das die Bamberger in einem packenden Spiel knapp mit 74 zu 71 für sich entschieden und damit den Pokal gewannen.
In der Tabelle sind alle Finalduelle aufgelistet, in denen zwei der vier Mannschaften aus dem diesjährigen Top Four aufeinandertrafen:
Jahr
Sieger
Finalist
2023
FC Bayern München Basketball
EWE Baskets Oldenburg
2021
FC Bayern München Basketball
Alba Berlin
2020
Alba Berlin
EWE Baskets Oldenburg
2019
Brose Bamberg Baskets
Alba Berlin
2018
FC Bayern München Basketball
Alba Berlin
2017
Brose Bamberg Baskets
FC Bayern München Basketball
2016
Alba Berlin
FC Bayern München Basketball
2015
EWE Baskets Oldenburg
Brose Bamberg Baskets
2006
Alba Berlin
GHP Bamberg
In diesem Artikel analysiere ich die Statistiken der letzten zehn Spiele der vier TOP FOUR Teilnehmer in der BBL. Der Fokus liegt dabei auf dem Offensiv- und Defensivrating, der Wurfquote sowie den Rebounds.
Die Auswahl von zehn Spielen habe ich bewusst getroffen, um einen möglichst aktuellen Eindruck von der Form der Teams zu erhalten. Im Fall von Oldenburg konzentriere ich mich dadurch ausschließlich auf die Spiele unter Trainer Lazar Spasić und bei den Bayern unter Svetislav Pešić .
Anschließend folgt ein detaillierter Bericht zu jedem Team. Dabei wird jeweils der bisherige Saisonverlauf beschrieben, der Starspieler hervorgehoben, die aktuelle Form analysiert und ein Ausblick auf das TOP FOUR-Wochenende gegeben.
Offensiv Rating
Ein Blick auf das Offensivrating zeigt, dass am Wochenende in München die vier offensivstärksten Teams der vergangenen zehn Spiele aufeinandertreffen. Mit einem Offensivrating von 122,4 liegt Oldenburg knapp vor FC Bayern München mit 120,7. Dahinter folgt Alba Berlin mit 116,7, dicht gefolgt von den Bamberg Baskets. Gerade bei den EWE Baskets Oldenburg wird deutlich, wie gut das neu implementierte System unter Lazar Spasić funktioniert und welches Offensivpotenzial die Mannschaft dadurch freisetzen konnte. Die Abläufe wirken klarer, die Entscheidungsfindung schneller und die Effizienz ist spürbar gestiegen.
Auch die FC Bayern München haben sich unter Svetislav Pešić noch einmal gesteigert und ihr bereits unter Gordon Herbert starkes Offensivrating von 116 weiter verbessert.
Interessant ist zudem, dass beide Teams wieder vermehrt auf Post-up-Situationen setzen, um gezielt Missmatches auszunutzen und so Vorteile in der Eins-gegen-eins-Situation zu kreieren.
Beim TOP FOUR sind somit vier ausgesprochen offensivstarke Mannschaften vertreten. Das verspricht für die Zuschauer ein echtes Spektakel.
Die Wurfquoten
Ein Blick auf die Wurfquoten der vier Teams zeigt deutliche Unterschiede. Vor allem von der Dreierlinie stechen die EWE Baskets Oldenburg heraus, die starke 44,2 Prozent ihrer Würfe von außen verwandeln.
Das liegt zum einen an treffsicheren Schützen wie Chris Clemons und James Woodard, zum anderen aber auch an der Spielweise. Viele Würfe entstehen aus guter Ballbewegung oder durch konsequentes Ausnutzen von Vorteilen im Low-Post, wodurch häufig freie Dreier kreiert werden.
Foto: Ulf Duda / fotoduda.de
Im Zweipunktebereich ergibt sich hingegen ein anderes Bild. Hier ist der FC Bayern München die klar beste Mannschaft, nicht nur unter den TOP FOUR Teilnehmern, sondern ligaweit. Besonders dominant präsentieren sich die Münchener in der Zone. Über die letzten zehn Spiele verwerten sie dort starke 66,7 Prozent ihrer Abschlüsse bei durchschnittlich 26,7 Versuchen pro Partie.
Die Defensive
Ähnlich wie bei der Zweierquote dominiert der FC Bayern München auch in dieser Statistik das Feld. Mit einem überragenden Defensivrating von 94,8 sind die Münchener ligaweit Spitzenreiter.
Seit dem Trainerwechsel hat Svetislav Pešić die Mannschaft defensiv deutlich stabilisiert, sodass kaum ein Gegner ein konstantes Mittel findet, um zu scoren. Besonders in der Zone agieren die Münchener äußerst konsequent und lassen dort lediglich eine Wurfquote von 56,6 Prozent zu.
Rebounds
Von allen TOP FOUR Teilnehmern dominiert Alba Berlin die Kategorie der Offensivrebounds. Die Berliner sichern sich knapp 39 Prozent aller möglichen zweiten Chancen. Diese Stärke kommt nicht von ungefähr, denn Berlin setzt konsequent auf das sogenannte „Tagging up“.
Dabei suchen die Offensivspieler unmittelbar nach einem Wurf den körperlichen Kontakt zu ihrem direkten Gegenspieler, um sich Vorteile beim Rebound zu verschaffen und gleichzeitig den gegnerischen Fastbreak frühzeitig zu unterbinden. Dieses Prinzip spiegelt sich deutlich in der Offensiv-Rebound-Quote wider, in der Alba klar auf Platz eins liegt.
In der defensiven Reboundstatistik steht Berlin hingegen auf Rang zwei. Spitzenreiter ist der FC Bayern München mit starken 72 Prozent. Die Münchener geben damit im Schnitt nur jeden vierten möglichen Rebound in der eigenen Defensive ab.
BMA365 Bamberg Baskets
Vor der Saison hatten viele Experten die Bamberg Baskets eher im unteren Tabellendrittel gesehen, teilweise sogar mit Tendenz in Richtung Abstieg. Auch bei der Veröffentlichung der Liga-Etats sorgte Bamberg für Aufsehen, denn der Klub belegte überraschend den letzten Platz. Entgegen aller Prognosen spielt die Mannschaft jedoch eine starke erste Saisonhälfte.
Aktuell stehen die Bamberger bei einer Bilanz von 12 Siegen und 9 Niederlagen und belegen damit einen Play-In-Platz. Zudem hat sich das Team für das Halbfinale des BBL-Pokals qualifiziert. Die Kaderzusammenstellung ist Anton Gavel und seinem Trainerteam unter diesen Voraussetzungen hervorragend gelungen. Gavel selbst bringt reichlich Pokalerfahrung mit. Als Spieler gewann er den BBL-Pokal dreimal, alle Titel holte er mit dem Verein, den er nun als Trainer betreut.
Ibi Watson ist der klare Fixpunkt der Mannschaft. Mit 16,7 Punkten, 4,4 Rebounds und 2,8 Assists pro Spiel zeigt er eine starke Allround-Leistung. Auch sein Net Rating von +11,7 unterstreicht seine Bedeutung für das Team und ist zugleich der Bestwert im Kader. Vor allem offensiv prägt er gemeinsam mit Marcus Demonia das Spiel der Bamberger.
Auch die aktuelle Form spricht für Bamberg. Vier Siege aus den letzten fünf Partien belegen den positiven Trend unter Gavel. Darunter waren Erfolge gegen direkte Playoff-Konkurrenten wie MHP Riesen Ludwigsburg, Rostock Seawolves und Würzburg Baskets. Lediglich gegen Alba Berlin setzte es eine knappe Niederlage.
Die Chancen auf ein mögliches Finale erscheinen gegen den haushohen Favoriten aus München zwar gering. Doch wenn ein Team in dieser Saison die Erwartungen deutlich übertrifft, dann sind es die Bamberger mit dem kleinsten Etat der Liga. Warum also nicht auch im Pokal für die nächste Überraschung sorgen?
FC Bayern München Basketball
In der Bundesliga verläuft die Saison für die FC Bayern München bislang nahezu makellos. Mit 19 Siegen und nur zwei Niederlagen stehen die Münchener souverän an der Tabellenspitze. Dennoch waren sie nach Oldenburg erst das zweite Team, das in dieser Spielzeit den Trainer wechselte.
Ausschlaggebend war die Entwicklung in der EuroLeague, wo sich ein anderes Bild zeigte und die Mannschaft ihren eigenen Ansprüchen deutlich hinterherlief. Weltmeistertrainer Gordon Herbert musste den Verein daher kurz vor Weihnachten vorzeitig verlassen. Eine Serie von sieben Auswärtsspielen in Folge sowie mehrere Partien, in denen Herbert krankheitsbedingt fehlte, spielten dabei ebenfalls eine Rolle.
Als neuer Cheftrainer wurde anschließend der in der Bundesliga bestens bekannte Svetislav Pešić vorgestellt. Unter seiner Leitung stabilisierte sich das Team auch international wieder, sodass die Münchener inzwischen zumindest wieder eine realistische Chance auf die Play-Ins in der EuroLeague haben.
Der Starspieler ist schnell ausgemacht. Andreas Obst spielt eine überragende Saison. Besonders in der EuroLeague unterstreicht der Publikumsliebling seine Bedeutung für das Team. In den letzten neun Spielen erzielte er im Schnitt 21,2 Punkte bei einer starken Dreierquote von 45,6 Prozent.
Auch die aktuelle Form spricht für die Münchener. Vier Siege aus den vergangenen fünf Spielen zeigen, dass das Team rechtzeitig zum TOP FOUR in Fahrt kommt. Lediglich gegen Ratiopharm Ulm setzte es eine überraschende Heimniederlage.
In eigener Halle gehen die Münchener als klarer Favorit in das Pokalwochenende. Zudem dürfte die Halbfinalniederlage aus dem Vorjahr gegen den Syntainics MBC zusätzliche Motivation liefern. Vieles spricht für den FC Bayern. Die entscheidende Frage bleibt jedoch, ob die Münchener dem Druck standhalten und im Traditionsduell gegen die Bamberg Baskets den Einzug ins Finale schaffen.
Alba Berlin
Für Pedro Calles und Alba Berlin verläuft die Saison bislang äußerst erfolgreich. Zwar verlor das Team zum Auftakt zwei der ersten drei Spiele, zudem wechselte nach diesen Partien der damalige Topscorer Boggie Ellis zum neuen EuroLeague-Teilnehmer Dubai Basketball.
Nach diesem holprigen Beginn ging es für die Berliner jedoch stetig bergauf. Die Mannschaft fand immer besser zusammen und steht mittlerweile mit 15 Siegen und 6 Niederlagen auf dem zweiten Tabellenplatz.
Auch mit dem Abschneiden in der Basketball Champions League können die Berliner zufrieden sein. Mit fünf Siegen und nur einer Niederlage gelang souverän der Einzug in die Round of 16. Dort stehen sie aktuell bei drei Siegen und einer Niederlage und sind auf Kurs in Richtung K.o.-Phase.
Bei den Berlinern spielt Jack Kayil eine herausragende Saison. Mit gerade einmal 20 Jahren zeigt er bereits, wie wichtig er in entscheidenden Momenten sein kann, und hat seinem Team mehrfach Spiele gesichert. Auch sein Net Rating von +11 unterstreicht seinen Wert für die Mannschaft.
Die Formkurve zeigt ebenfalls nach oben. Trotz einiger Verletzungsprobleme in den vergangenen Wochen holte Berlin vier Siege aus den letzten fünf Spielen. Lediglich gegen die Hamburg Towers setzte es eine Niederlage, wobei auch dort mehrere Leistungsträger fehlten.
Entscheidend wird sein, wie viele der verletzten Spieler rechtzeitig zurückkehren und in welcher Verfassung sie sich präsentieren. Sind alle Leistungsträger an Bord, ist der Einzug ins Finale absolut realistisch. Dort würde ein Duell egal gegen wen viel Tradition und Rivalität bieten. Zunächst aber muss Berlin die Hürde Oldenburg nehmen, gegen die man zum Jahresbeginn knapp verloren hatte.
EWE Baskets Oldenburg
Die ersten beiden Monate der Saison waren für die Fans der EWE Baskets Oldenburg ein echtes Auf und Ab der Gefühle. Im Pokal feierte die Mannschaft Erfolge und sicherte sich souverän den Einzug ins TOP FOUR. In der Liga hingegen gab es zunächst nur wenig Grund zur Freude.
Für ein historisches Highlight sorgte Chris Clemons, der im Spiel gegen die Gladiators Trier 52 Punkte erzielte und damit den Vereinsrekord von Tyron McCoy einstellte. Dieser Auftritt blieb zugleich der einzige Ligasieg unter Trainer Predrag Krunić.
Nach einer Bilanz von einem Sieg und acht Niederlagen kam es am 7. Dezember 2025 zur Trennung von Krunić. Co-Trainer Lazar Spasić übernahm daraufhin das Team. Seit dem Trainerwechsel präsentieren sich die Baskets deutlich stabiler. Mit acht Siegen und drei Niederlagen sind sie wieder auf Kurs in Richtung Play-In-Plätze.
Unter Spasić blühen mehrere Spieler auf. Besonders hervorzuheben ist erneut Chris Clemons, der zu Saisonbeginn noch Anlaufschwierigkeiten hatte, inzwischen jedoch immer besser in Fahrt kommt. In den letzten zehn Spielen liegt sein Offensivrating bei herausragenden 125,2. Zudem verwandelte er in dieser Saison bereits zwei Gamewinner, einen gegen Vechta zum Einzug ins TOP FOUR und einen weiteren gegen den Halbfinalgegner Alba Berlin.
Foto: Ulf Duda / fotoduda.de
Mit Blick auf die aktuelle Form ist Oldenburg allerdings das einzige Team der TOP FOUR Teilnehmer, das zwei Niederlagen aus den letzten fünf Spielen hinnehmen musste. Zudem hatten auch die Oldenburger zuletzt mit Verletzungen zu kämpfen. Im Spiel gegen Ratiopharm Ulm fehlten gleich vier Leistungsträger, drei davon verletzungsbedingt. James Woodard war aus erfreulichem Anlass nicht dabei, da er Vater wurde.
Entscheidend wird daher sein, dass die verletzten Spieler rechtzeitig zurückkehren. Gerade auf der Centerposition ist der Kader sonst sehr dünn besetzt. Sind alle Leistungsträger an Bord, ist ein zweiter Saisonsieg gegen Berlin durchaus realistisch. Ein weiterer Schlüssel dürfte der Dreipunktewurf sein. Fällt dieser hochprozentig, stehen die Chancen gut, ins Finale einzuziehen.
Ausblick
Das TOP FOUR verspricht hochklassigen Offensivbasketball. Betrachtet man die Offensivratings aller vier Mannschaften, dürfen sich die Zuschauer auf ansehnliche und punktreiche Partien freuen.
Im ersten Halbfinale sind die Rollen klar verteilt. Die Bamberg Baskets gehen als Underdog ins Duell mit dem klaren Titelfavoriten, dem FC Bayern München, und wollen für eine Überraschung sorgen.
Im zweiten Halbfinale dürfte es deutlich enger zugehen. Wenn sowohl die EWE Baskets Oldenburg als auch Alba Berlin personell aus dem Vollen schöpfen können, ist ein intensives und umkämpftes Spiel zu erwarten.
Am Sonntag spielt es dann keine Rolle mehr, wer ins Finale einzieht. Tradition ist in jedem Fall garantiert, und zugleich wird eine neue Geschichte geschrieben.
Im Theater bezeichnet die Generalprobe den letzten vollständigen Probedurchlauf vor der Premiere eines Stücks. Dabei wird das Werk genauso gespielt, wie es später aufgeführt wird, inklusive Kostümen, Technik und aller Abläufe.
Zugleich gibt es im Theater den Aberglauben, dass kleine Patzer während der Generalprobe Glück bringen und auf eine besonders erfolgreiche Premiere hindeuten.
Ein Blick auf das Spiel gegen Ratiopharm Ulm vom Mittwoch zeigte zahlreiche Patzer. Bereits vor dem Tip-off war die personelle Situation angespannt. Mit Michale Kyser, Dakarai Tucker und Filip Stanic fehlten gleich drei Spieler verletzungsbedingt. Zudem war James Woodard aus einem erfreulichen Grund abwesend, denn er wurde Vater.
Im Spiel selbst häuften sich die ärgerlichen Momente, und auch ein Blick auf die Statistik macht die Probleme deutlich. Oldenburg kam lediglich auf neun Assists und traf aus dem Zweierbereich nur 29 Prozent seiner 35 Versuche. Auch die Foulstatistik fiel ungünstig aus. 23 Fouls auf Oldenburger Seite standen 15 auf Seiten der Ulmer gegenüber. Hinzu kamen ein unsportliches Foul gegen Nico Tischler sowie jeweils ein technisches Foul gegen Lazar Spasić und Tomislav Zubčić.
Schaut man auf das erste Viertel, wollte bei Oldenburg kaum etwas gelingen, während bei Ratiopharm Ulm nahezu alles funktionierte. Entsprechend deutlich ging der Abschnitt mit 31:8 an die Ulmer. Diesem frühen Rückstand liefen die Oldenburger über die gesamte Partie hinterher, sodass sie ihre Generalprobe letztlich verdient mit 79:101 verloren.
Einsatzzeit Positiv hervorzuheben ist, dass durch die angespannte Personalsituation Ralph Honnou und Joel Harm umfangreiche Einsatzzeiten erhielten. Beide hatten in dieser Saison bislang nur wenige Minuten gesammelt, standen gegen Ulm jedoch sogar in der Starting Five und bekamen jeweils rund 17 Minuten Spielzeit.
Viel mehr bleibt zu diesem Spiel kaum zu sagen. Nun gilt es, die Partie schnell abzuhaken und den Fokus voll auf das Top Four zu richten.
Ausblick
Kommt man noch einmal auf den Beginn des Artikels und den Vergleich mit dem Theater zurück, bleibt die Hoffnung auf die übernatürlichen Kräfte des Aberglaubens. Vielleicht lässt sich die missglückte Generalprobe tatsächlich als gutes Omen deuten und der Blick auf das TOP FOUR in München fällt entsprechend positiv aus.
Kurz vor dem TOP FOUR steht am Mittwoch noch einmal ein schweres Auswärtsspiel an. Tipp-off ist um 18:30 Uhr in der Ratiopharm Arena gegen den Playoff-Finalisten der vergangenen Saison aus Ulm.
Ausgangslage
Mit 8 Siegen aus den letzten 10 Spielen zeigt die Formkurve weiter nach oben. Auch stehen die Oldenburger nach dem starken Heimsieg auf dem 10ten Platz und damit das erste mal diese Saison auf einem Play-In Platz. Mit einem Auswärtssieg gegen die Ulmer, könnten die Baskets sogar auf eine ausgeglichene Bilanz von 10 Siegen und 10 Niederlagen stellen.
Die Saison der Ulmer ist hingegen von Auf und Ab sowie Verletzungen geprägt. Nur zwei Spieler haben bisher alle 20 Partien bestritten, immer wieder fielen einzelne Akteure mit kleineren oder größeren Verletzungen aus. Auch die letzten Spiele zeigten ein wechselhaftes Bild. Vor drei Spielen besiegten die Ulmer noch den FC Bayern München und fügten ihnen die erste Heimniederlage der Saison zu. Anschließend gewann die Mannschaft von Ty Harrelson gegen Trier, verlor danach jedoch überraschend in Vechta.
Schon vor dem Bayern-Spiel gab es zudem überraschende Niederlagen gegen die Kellerteams Hamburg und Heidelberg. In diesen Spielen musste Ulm aufgrund von Verletzungen mit einer stark reduzierten Rotation antreten, in Hamburg nur mit sechs und in Heidelberg mit sieben Spielern. Trotz dieser Schwierigkeiten stehen die Ulmer aktuell auf Platz sieben mit einer Bilanz von 11 Siegen und 9 Niederlagen.
Keys to win
Rebounds
Energie der Ulmer matchen
Offensive zum Laufen bekommen
Foto: Ulf Duda / fotoduda.de
Gegen Ludwigsburg haben die Oldenburger 16 offensiv Rebounds abgegeben. Schaut man jetzt auf das letzte Spiel der Ulmer, dann haben diese 20 Offensiv Rebounds geholt. Für Oldenburg gilt es also gegen die Ulmer sich am defensiven Brett zu verbessern und Ulm in heimischer Halle zu viele Wurfchancen zu geben.
Stichwort heimische Halle. Am Samstag unterlagen die Ulmer bei Rasta Vechta und werden nun darauf aus sein, vor heimischem Publikum eine Reaktion zu zeigen. Entsprechend ist mit viel Energie und Intensität zu rechnen. Für Oldenburg wird es entscheidend sein, diese Energie von Beginn an zu matchen.
Auf die Oldenburger Offensive, die in den vergangenen zehn Spielen die beste der Liga war, wartet nun eine echte Bewährungsprobe. Mit Ulm geht es gegen das zweitbeste Defensivteam dieses Zeitraums direkt hinter dem FC Bayern München Basketball mit einem starken Defensivrating von 96,3. Hier wird sich zeigen, wie gut die Oldenburger offensiv ins Spiel finden und ob sie ihre derzeitige Form auch gegen eine derart stabile Verteidigung bestätigen können. Spannend wird dabei auch die Dreierquote der Oldenburger. Ulm erlaubt gegnerischen Teams lediglich 29,9 Prozent von jenseits der Dreierlinie und ist damit Ligaspitze. Oldenburg hingegen stellt mit starken 39 Prozent die beste eigene Dreierquote der Liga.
Ausblick
Interessant wird es zu sehen sein, ob die Oldenburger Offensive auch gegen eine so starke Defensive wie die der Ulmer ins Rollen kommen kann. Ein Sieg wäre dabei äußerst wichtig, um weiterhin im Bereich der Play-In-Plätze zu bleiben und mit einem guten Gefühl nach München zu reisen.
Die ratiopharm-Ulm-Legende Per Günther begann nach dem Ende seiner Spielerkarriere als TV-Experte und Podcaster zu arbeiten. In seinem Podcast „Abteilung Europameister“ spricht er ab und zu über das Playoffspiel Oldenburg gegen Ulm in den Playoffs 2017, wo die Oldenburger einen 27 Punkte Rückstand aufgeholt haben und mit einem Buzzerbeater Dreier von Rickey Pauling die Verlängerung und den anschließenden Sieg holten. Neben diesem Ereignis diskutiert er gemeinsam mit Benni Zander und/oder Basti Ullrich über verschiedenste Themen rund um den Basketball.
Ein wiederkehrendes Thema im Podcast sind Trainerwechsel. In diesem Zusammenhang hat Per Günther die sogenannte „Affe-mit-Hut-Theorie“ aufgestellt. Diese besagt, dass ein Trainerwechsel bei einem Team in den ersten drei Spielen nahezu immer einen positiven Effekt zeigt. Dieser Effekt sei quasi garantiert – die entscheidende Frage sei jedoch, ob der neue Trainer tatsächlich gut ist oder ob der kurzfristige Erfolg lediglich daraus resultiert, dass die Spieler für kurze Zeit wieder motivierter sind. In den ersten drei Spielen lasse sich dies nicht eindeutig beurteilen. Überspitzt formuliert könnte man daher auch einen Affen mit Hut an die Seitenlinie stellen und würde für drei Spiele einen positiven Effekt sehen (Quelle: Abteilung Europameister, Folge „Affe mit Hut Reloaded mit Marie Gülich“ vom 2. April 2025).
Um zu überprüfen, ob ein Trainerwechsel auch eine langfristige Wirkung entfaltet, reicht es folglich nicht aus, nur die ersten drei Spiele zu betrachten. Im Artikel „Der Trainerwechsel in Zahlen“ (Der Trainerwechsel in Zahlen) wurden bereits die ersten fünf Spiele nach dem Trainerwechsel der EWE Baskets Oldenburg analysiert, wobei sich ein klarer Trend abzeichnete. Um zu untersuchen, ob sich dieser Trend fortsetzt, werden in diesem Artikel nun die ersten zehn Partien unter Trainer Spasić genauer betrachtet.
Die Offensive
Foto: Ulf Duda / fotoduda.de
In den ersten fünf Spielen unter Trainer Spasić zeigte sich bereits ein klarer Trend. Die Offensive funktionierte unter ihm deutlich besser und das Offensivrating aller Spieler verbesserte sich, bei einigen sogar signifikant. Allerdings war die Datenbasis zu diesem Zeitpunkt noch begrenzt. Zudem fanden drei der fünf Partien gegen Mannschaften aus dem unteren Tabellendrittel statt.
Aus diesem Grund sind in der unten dargestellten Grafik die Offensivratings der letzten zehn Spiele abgebildet. Hier wird deutlich, dass der Trainerwechsel sowie die damit einhergehenden Systemumstellungen nachhaltig wirken. In der Offensive wird der Ball wesentlich besser bewegt, wodurch gezielt Mismatches generiert werden.
Ein weiteres zentrales Element der Oldenburger Offensive ist das Post-up-Spiel. Häufig ist der erste Spielzug einer Partie ein Post-up über Nicho Tischler. Der Post-up hat in den vergangenen Jahren insgesamt an Bedeutung verloren und nur noch wenige Teams setzen regelmäßig auf diese Option. Ein Blick auf die Statistiken zeigt jedoch, dass insbesondere der FC Bayern Basketball und die EWE Baskets Oldenburg diesen Spielzug wieder erfolgreich in ihre Systeme integriert haben.
Sowohl die Münchener als auch die Oldenburger gehören zu den Teams mit den meisten Post-up-Aktionen und gleichzeitig zu den Mannschaften mit der besten Offensive in den letzten zehn Partien. Die untenstehende Grafik verdeutlicht somit, dass die Systemanpassungen den Spielern nachhaltig geholfen haben und alle Akteure in diesem Zeitraum eine Leistungssteigerung verzeichnen konnten.
Die Defensive
Auch defensiv bestätigt sich der unter Spasić eingeschlagene Trend. Über die zehn Spiele unter seiner Leitung zeigt das Defensivrating des Teams eine kontinuierliche Verbesserung. Besonders auffällig ist diese Entwicklung bei den Guards. Fobbs und Clemons profitieren deutlich von den defensiven Anpassungen, insbesondere vom geringeren Fokus auf Hedge-Verteidigung und dem verstärkten Einsatz von Switches sowie Eins-gegen-eins-Situationen.
Foto: Ulf Duda / fotoduda.de
Unter Krunić hatten beide Spieler in der Defensive klare Probleme. Fobbs wies ein Defensivrating von 119,4 auf und lag damit deutlich über dem Teamwert von 115,8. Clemons bewegte sich mit 115,4 ebenfalls nur auf dem Niveau des Team-Defensivratings. Unter Spasić liegen beide Guards nun klar unter dem aktuellen Teamwert von 108,6. Fobbs kommt auf ein Defensivrating von 101,4, Clemons auf 105,1.
Die Daten deuten damit auf eine nachhaltige strukturelle Verbesserung hin und nicht lediglich auf einen kurzfristigen Effekt des Trainerwechsels. Beide Guards, zuvor defensive Schwachstellen, gehören inzwischen zu den stabilsten Verteidigern im Kader.
Chris Clemons
Im ersten Artikel zum Trainerwechsel wurde bereits Brian Fobbs hervorgehoben, der auch weiterhin deutlich verbesserte Werte aufweist und den positiven Trend unter Spasic bestätigt. In diesem Artikel soll daher ein weiterer Guard der EWE Baskets Oldenburg genauer betrachtet werden, nämlich Chris Clemons. Auch anhand seiner Zahlen wird deutlich, wie viel besser er in die Saison gefunden hat.
Wie bereits dargestellt, hat sich sein Defensivrating signifikant verbessert. Gleichzeitig konnte er auch sein Offensivrating steigern. Zwar erzielt Clemons unter Spasić mit 16,6 Punkten pro Spiel leicht weniger Punkte als noch unter Krunić, und auch seine Assistzahlen sind weitgehend konstant geblieben. In den ersten neun Spielen kommt er auf 4,4 Assists pro Partie, welches fast exakt derselbe Wert wie in den darauffolgenden zehn Spielen mit 4,7 ist.
Dennoch stellt sich die zentrale Frage, weshalb die Offensive mit Clemons auf dem Feld unter Spasić so deutlich effizienter ist. Während sein Offensivrating zuvor bei 108,7 lag, erreicht es nun einen Wert von 125,2. Die individuelle Boxscore-Produktion erklärt diesen Sprung nicht vollständig, was darauf hindeutet, dass Clemons stärker in funktionierende offensive Strukturen eingebunden ist und einen größeren Einfluss auf die Effizienz des gesamten Lineups ausübt.
Foto: Ulf Duda / fotoduda.de
Ein Blick auf die Usage Rate von Clemons liefert hierfür eine zentrale Erklärung. Während er unter Krunić noch eine Usage Rate von 29,5 Prozent aufwies, ist dieser Wert unter Spasić auf 25 Prozent gesunken. Gleichzeitig ist sein True-Shooting-Prozentsatz deutlich gestiegen, von 58,2 Prozent auf 62,9 Prozent. Clemons hat also weniger offensive Aktionen, agiert dabei jedoch leicht effizienter.
Unter Krunić lief ein großer Teil der Offensive über Clemons. Häufig schloss er Angriffe am Ende in Isolation ab. Diese Isolationssituationen gibt es zwar auch unter Spasić weiterhin, sie treten jedoch deutlich seltener auf. Durch das schnellere Ballmovement gelangt der Ball häufiger in die Hände anderer Mitspieler, die ebenfalls zu guten Abschlüssen kommen und scoren können.
Zusätzlich erhält Clemons deutlich mehr Unterstützung im Spielaufbau durch Fobbs und Woodard. Dadurch kann er in einigen Angriffen eher als Shooting Guard agieren und verstärkt Off-Ball-Aktionen übernehmen.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Clemons im neuen System deutlich besser performt, insbesondere im Hinblick auf sein Offensivrating. Die reduzierte Usage, das vermehrte Off-Ball-Spiel und die stärkere Einbindung seiner Mitspieler steigern nicht nur seine eigene Effizienz, sondern stärken zugleich die gesamte Offensive des Teams.
An der Spitze steht erwartungsgemäß der FC Bayern Basketball mit einem Offensivrating von 125,4. Direkt dahinter folgen jedoch bereits die Oldenburger mit einem ebenfalls herausragenden Wert von 125,0. Mit etwas Abstand schließen die Gladiators Trier an, die auf 119,2 kommen.
Ein Blick auf die Defensive zeigt hingegen ein anderes Bild. Hier rangiert Oldenburg im Mittelfeld der Liga auf Platz neun. Das dürfte Trainer Spasic weniger zufriedenstellen, denn sein Ansatz sieht vor, dass alles aus einer stabilen Defensive heraus entsteht. Trotz der klar erkennbaren offensiven Entwicklung besteht also weiterhin deutliches Potenzial, die Verteidigung zu verbessern.
Ausblick
Ein Blick auf die Statistiken zeigt, dass es sich nicht nur um einen kurzfristigen Effekt handelt, sondern um einen klaren Trend. Unter Headcoach Lazar Spasić spielt das Team offensiv deutlich variabler und verbessert, auch die Defensive wirkt stabiler und effektiver. Ob Gegner sich langfristig auf dieses System einstellen können und Mittel gegen bestimmte Spielweisen, wie zum Beispiel das Post-up-Game, finden, wird in einer weiteren Analyse in fünf BBL-Spiele untersucht.
Am Samstagabend gegen ca. 22 Uhr hallte es durch die EWE ARENA: „Wir holen den Pokal!“ Zwar sicherten sich die EWE Baskets Oldenburg mit dem deutlichen Sieg über die MHP RIESEN Ludwigsburg noch nicht den Pokal, doch sie unterstrichen eindrucksvoll ihre starke Form. Gleichzeitig zeigte sich, wie sehr die Fans von der Leistung mitgerissen wurden und mit welcher Vorfreude und Motivation sie die Reise nach München antreten werden.
Die Partie begann ausgeglichen. Zunächst ging es hin und her, ehe sich die Oldenburger auf 17:10 absetzen konnten. Nach einer Auszeit von Ludwigsburgs Trainer Mikko Riipinen fanden die Gäste jedoch besser ins Spiel zurück und entschieden das erste Viertel knapp mit 24:23 für sich.
Im zweiten Abschnitt spielten die Oldenburger ihre offensive Stärke eindrucksvoll aus. Mit 33 Punkten im Viertel setzten sie sich deutlich ab und gingen mit einer 56:42-Führung in die Halbzeitpause. Tomislav Zubčić zeigte dabei eine überragende erste Halbzeit mit 17 Punkten und traf starke 5 von 6 Würfen von der Dreierlinie.
Die zweite Hälfte verlief insgesamt ausgeglichen (46:46), sodass am Ende ein verdienter 102:88-Erfolg für Oldenburg auf der Anzeigetafel stand. Mit diesem Sieg klettern die EWE Baskets auf Platz zehn und damit auf einen Play-In-Rang.
Außerdem war es schön zu sehen, dass nicht nur alle Spieler Einsatzzeit bekamen, sondern sich auch jeder Akteur in die Scorerliste eintragen konnte.
Defensivleistung
In der Defensive nahmen die Oldenburger die beiden Guards der Ludwigsburger konsequent aus dem Spiel. Stefan Smith kam lediglich auf 9 Punkte und traf nur 2 seiner 12 Würfe aus dem Feld. Traveon Buchanan blieb sogar bei nur 2 Punkten und kam insgesamt auf lediglich fünf Abschlüsse.
Verbesserungsbedarf zeigte Oldenburg hingegen beim Rebounding. Die Ludwigsburger sicherten sich 16 offensive Rebounds und erreichten damit eine Quote bei offensiven Rebounds von 44,3 Prozent. Das bedeutet, dass nahezu jeder zweite mögliche Abpraller in der Offensive bei den Gästen landete.
Best Duo
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Ein entscheidender Faktor in diesem Spiel war das Zusammenspiel von Michale Kyser und Chris Clemons. Standen beide gemeinsam auf dem Feld, entschieden die Oldenburger diese Minuten deutlich mit 75 zu 49 für sich. Eine Connection, die immer besser funktioniert und dem Oldenburger Basketball spürbar guttut.
Auch ein Blick auf die individuellen Statistiken unterstreicht ihren Einfluss. Chris Clemons kam auf 12 Punkte, 3 Rebounds, 8 Assists und 3 Steals und zeigte damit eine rundum starke Leistung. Besonders bemerkenswert ist, dass er seine 8 Assists bereits in der ersten Halbzeit verbuchte.
Michale Kyser überzeugte ebenfalls mit einer starken Partie. Er erzielte 15 Punkte, sicherte sich 7 Rebounds, darunter 3 in der Offensive, und steuerte zudem einen Steal bei. Dabei wird deutlich, dass er offensiv immer besser ins Spiel findet.
Noch eindrucksvoller wird der Einfluss der beiden beim Blick auf die Advanced Stats. Clemons kam auf ein Offensiv Rating von 141,1 und ein Defensiv Rating von 103,7, was ein sehr starkes Net Rating von 37,4 ergibt. Kyser setzte sogar noch einen drauf. Mit einem Offensiv Rating von 145,3, dem Bestwert im Team, und einem Defensiv Rating von 98,1 erzielte er ein Net Rating von 47,2. Diese Zahlen verdeutlichen, wie groß der Impact dieses Duos in dieser Partie war.
Ausblick
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Viel Zeit zum Durchatmen bleibt nicht, denn bereits am Mittwoch steht das nächste Auswärtsspiel in Ulm an. Direkt im Anschluss reist das Team weiter nach München, wo das lang ersehnte TOP FOUR auf dem Programm steht.
Am Dienstag habe ich mich mit Lazar Spasić getroffen und mit ihm unter anderem über seine Anfangszeit in Oldenburg unterhalten. Anschließend sprachen wir über seinen Coaching-Stil und darüber, was ihn als Trainer in Offensive und Defensive ausmacht. Außerdem haben wir über den Trainerwechsel und die daraus resultierenden Veränderungen in Offensive und Defensive gesprochen und welche Bedeutung das zum Beispiel für Clemons hat. Zum Abschluss ging es noch kurz um das TOP FOUR Finale und darum, wie er und sein Team sich auf das Spiel gegen Berlin vorbereiten.
Frage: Du bist jetzt schon einige Zeit in Oldenburg. Hast du in dieser Zeit schon einmal Grünkohl probiert?
Spasić: Grünkohl? Da habe bisher noch nicht von gehört. Was ist das?
Grünkohl ist ein Gemüse, welches hier in Oldenburg eine große Tradition hat.
[Lazar Spasić googelt in diesem Moment]
Spasić: Ah, das, was Tuck [Dakarai Tucker] letztens probiert hat. Gemüse mag ich nicht so gerne und nein, das habe ich bisher nicht probiert.
[Zur Info: Auf der Instagram-Seite der EWE Baskets Oldenburg gibt es ein Video, in dem Dakarai Tucker Grünkohl probiert.]
Frage: Lass uns jetzt zum Saisonbeginn übergehen. Wie war deine Rolle als Assistant Coach unter Predrag Krunić?
Spasić: Das ist eine schwierige Frage. Ich habe meinen Vertrag zwei bis drei Wochen unterschrieben, bevor Predrag hier unterschrieben hat. Als das passiert ist, war ich glücklich. Mein Hauptgrund, nach Oldenburg zu kommen, war es, auf diesem Level zu lernen und Erfahrung zu sammeln, weil ich vorher nicht wusste, wie Basketball auf diesem Niveau wirklich funktioniert.
Ich bin mit der Erwartung gekommen, hart zu arbeiten, mein Wissen zu erweitern und mich an das System anzupassen. Wichtig war für mich auch, dass ich gemeinsam mit meiner Familie hierherkommen kann. Als mir Srdjan [Klarić] die Idee und die langfristige Perspektive erklärt hat, war mir klar, dass das der richtige Schritt ist. Mein Ziel war immer, den ersten Schritt außerhalb Serbiens in einer bedeutenden europäischen Liga zu machen und Deutschland war mein Wunschziel.
Ich habe versucht, jeden Tag zu lernen. Ich habe viel darüber gelernt, wie Predrag mit Spielern kommuniziert, und konnte mein eigenes Verständnis weiterentwickeln. Wir hatten ein sehr gutes Verhältnis. Er hat mich respektiert und mir besonders am Anfang sehr geholfen. Am Ende muss ich sagen, dass ich als Assistant Coach gearbeitet habe und die finalen Entscheidungen Predrag getroffen hat.
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Frage: Rund zwei Monate nach Saisonbeginn fiel die Entscheidung, dass Krunić nicht mehr Trainer ist und du die Rolle des Headcoaches übernimmst. Wie hast du diesen Moment erlebt?
Spasić: Als Erstes möchte ich sagen, dass ich mich selbst sehr gut kenne. Ich bin weder ein pessimistischer noch ein optimistischer Mensch, ich bin Realist.
Ich wusste bereits bevor ich nach Deutschland gekommen bin, dass ich erfolgreich als Coach arbeiten kann. Als dann die Entscheidung vom Klub kam, dass Predrag nicht mehr Headcoach ist, habe ich ehrlich gesagt nicht damit gerechnet. Das war ein Schock für mich. In dem Moment, als ich die Information bekommen habe, dass ich Headcoach werde, war ich aber bereit. Ich wusste genau, wie ich arbeiten möchte, was ich verändern kann und auf welche Art wir Basketball spielen müssen.
Das Einzige, was für mich offen war, war die Frage, wie oft ich die Prinzipien vermitteln muss und wie die Spieler diese annehmen würden.
Frage: Wie sehr warst du eingebunden bei der Auswahl der Spieler am Anfang der Saison?
Spasić: Wir als Coaching-Staff haben gescoutet und ich wusste sehr genau, welche Spieler wir verpflichten werden, aber es waren nicht meine Entscheidungen. Diese kamen von Predrag. Meiner Meinung nach hat Srdjan einen großartigen Job gemacht, alle Spieler von Oldenburg zu überzeugen, obwohl wir nicht europäisch spielen. Wir haben ein gutes Team zusammengestellt.
Frage: Wie würdest du deinen Basketballstil beschreiben?
Spasić: Ich baue meinen Basketball grundsätzlich aus der Verteidigung heraus auf. Die Offensive hängt auch davon ab, gegen wen wir spielen und wie der Gegner verteidigt, daran müssen wir uns anpassen. Die Defensive hingegen hängt nur von uns selbst ab. Das sind die Dinge, die wir kontrollieren können, und genau darauf liegt mein Fokus.
Von der Defensive aus können wir das Spiel kontrollieren. Würfe können auch mal nicht fallen, das gehört dazu, aber Einsatz, Energie und defensive Disziplin liegen immer in unserer Hand. Unser Selbstvertrauen soll aus der Verteidigung kommen und nicht aus der Offensive. Wenn wir mutig verteidigen und daraus spielen, können wir ein ernstzunehmendes Team sein.
Wir haben großes offensives Potenzial, das haben wir bereits gezeigt. Wenn wir aber nur von der Offensive abhängig sind, bleiben wir ein durchschnittliches Team. Erst über eine physische und stabile Defensive können wir unser volles Potenzial erreichen. Wie weit das reicht, hängt von vielen Faktoren ab, etwa von Verletzungen oder der Qualität der Gegner. Die Liga ist extrem ausgeglichen, genau das macht sie so interessant.
Für mich ist die deutsche Liga, die Liga der Top-Ligen in Europa mit dem größten Einfluss der Coaches. Viele internationale Trainer, starke Systeme und klare Identitäten machen die BBL aus.
Wenn ich meine eigene DNA beschreiben soll, dann beginnt alles mit der Defensive. Das ist der Kern. In meiner Karriere habe ich bereits Titel gewonnen, und auch dort war die Defensive die Basis für alles Weitere. Offensive ist für mich ein Zusatz, der auf einer starken Verteidigung aufbaut.
Ich bin jetzt in meiner neunten Saison als Headcoach, fünf davon in der ersten und drei in der zweiten Liga in Serbien. Ich habe beide Ligen gewonnen und bin nicht hierhergekommen, um nur zu überleben. Ich bin hier, um etwas zu gewinnen.
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Frage: Wie schwer war es für dich, deine Basketball-DNA in ein Team zu integrieren, dessen Spieler du nicht selbst ausgewählt hast?
Spasić: Es war nicht schwer. Für mich war es sogar schwieriger, in Serbien zu arbeiten. Hier kann ich mich voll auf Basketball konzentrieren. Wenn die Spieler von meinem System profitieren und erkennen, dass es Sinn macht, lässt sich vieles leicht umsetzen. Dann kann man sich auf die Details konzentrieren, und diese kleinen Dinge machen oft den Unterschied zwischen durchschnittlichen und Spitzenmannschaften aus.
Frage: Wenn wir uns die Defensiv-Ratings der Spieler nach fünf Spielen (Der Trainerwechsel in Zahlen) und nach neun Spielen (Artikel über 10 Spiele unter Spasić erscheint am Montag) anschauen, sieht man, dass sich alle verbessert haben, besonders Brian Fobbs, Nicho Tischler und Chris Clemons. Das ist kein kurzer Effekt durch den Trainerwechsel, sondern ein klarer Trend. Unter Krunić habt ihr noch viel gehedged, jetzt verteidigt ihr flach und switcht mehr. Meine Frage ist, ob diese Art zu verteidigen dein Basketballstil ist oder ob du die Verteidigung an die Spieler angepasst hast?
Spasić: Diese Spielweise ist auf jeden Fall meine DNA. Von Anfang an habe ich den Spielern erklärt, warum es Sinn macht. Bei einer Hedge-Verteidigung ist der Weg zurück zum Korb oft zu lang. In einer flachen Verteidigung kann man die Defensive und Offensive besser verteilen. Beim Hedgen versucht man oft, direkt den Pass zu erzwingen, was aber zu offenen Würfen führen kann.
Ich bevorzuge High-Bump, mehr Rotation und Aggressivität am Ball. Wir brauchen den Einfluss des Centers am Ball. In einer flachen Verteidigung profitiert der eigene Bigman, er wird besser geschützt und muss nicht so weite Wege laufen.
Frage: Wenn wir zur Offensive kommen, zeigt sich hier ebenfalls ein klarer Trend und nicht nur ein kurzfristiger Effekt. Bei der Offensive sprechen viele über das Ballmovement, aber mir ist aufgefallen, dass ihr vermehrt in Post-up-Situationen geht. Zum Beispiel ist der erste Spielzug oft Nicho Tischler im Low-Post.
Spasić: Tatsächlich sind die ersten beiden Spielzüge Post-up-Situationen. Nummer eins ist Nicho und Nummer zwei Tomislav [Zubčić], beides sind zwei Spieler aus der Starting Five. Wir haben mit Filip, Seth und Brian aber noch andere Spieler, die aus dem Post spielen können.
Frage: Post-up war lange sehr wichtig, wurde in den letzten Jahren aber kaum noch gespielt. Wie kam dir die Idee, das Post-up-Spiel wieder zu integrieren?
Spasić: Wie ich schon gesagt habe, habe ich meine Idee in Offensive und Defensive aus den letzten Jahren kaum verändert. Aus diesen Situationen habe ich viel gelernt, zum Beispiel Flat Defense oder Post-Offense. Basketball ist in vielen Bereichen Mathematik. Aus welcher Situation erzielt man die besten Dreierquoten?
Weiß ich nicht.
Spasić: Nach Offensiv-Rebounds und dem Pass nach außen oder aus dem Low-Post entstehen diese Dreierquoten. Wenn ein Team im Low-Post spielt, konzentriert sich die Verteidigung stark auf den Ball. Der Verteidiger kann nicht kontrollieren, was hinter ihm passiert. Fokussiert sich die Verteidigung nicht auf die Zone, bleibt dort viel Raum, den man nutzen kann.
Wir wollen keine Fadeaway-Würfe aus dem Post. Bei einem Fadeaway ist man oft aus dem Gleichgewicht und hat weniger Kontrolle über den eigenen Körper. Dadurch wird es schwieriger, den Offensiv-Rebound zu sichern. Außerdem leidet die Transition-Defense, wenn der Wurf nicht fällt.
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Frage: Ein weiterer Blick auf die Statistiken bringt mich zu einer Frage über Clemons. Er erzielt unter dir leicht weniger Punkte als in den ersten neun Spielen. Auch seine Assists bleiben gleich, seine Usage-Rate ist nur leicht von 29,5 auf 25,5 Prozent gesunken, und sein True Shooting hat sich von 58,2 auf 63,6 Prozent leicht verbessert. Schaut man jedoch auf sein Offensiv-Rating, dann ist dort ein großer Sprung von 108,7 auf 123,4 zu sehen. Wie lässt sich das erklären?
Spasić: Wenn Teams und Spieler vorankommen wollen, müssen sie Spiele gewinnen. Spiele gewinnt man, in dem man bessere Defensive spielt und den Ball offensiv bewegt und manchmal müssen Spieler dafür Opfer bringen.
Chris ist ein großartiger Spieler, der alles macht, um mit seiner Mannschaft zu gewinnen und der Verantwortung übernimmt. Am Anfang hat das manchmal dazu geführt, dass er zu schnelle Würfe genommen hat.
Man muss auch sagen, dass Chris in einer spezifischen Situation zu uns gekommen ist. In den zwei Jahren zuvor wurde Chris als Shooting Guard genutzt. Er wollte dem Team immer helfen, aber wusste den richtigen Weg nicht. Chris braucht klare Regeln, wie wir spielen wollen und er respektiert diese.
Ich habe ihm verschiedene Optionen gezeigt und er hat diese angenommen. Jetzt bewegen wir den Ball mehr, involvieren mehr Spieler in die Offensive und Spieler, die in der Offensive glücklich sind, spielen bessere Defensive.
Schaut man auf die Statistiken, hat sich die Zahl der Assists von Chris vielleicht nicht erhöht, aber oft kreiert Chris Situationen, die zum Extrapass führen und gibt damit den Assist zum Assist.
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Frage: Ein weiteres Thema, das ich behandeln möchte, ist das TOP FOUR Finale in München. Am Anfang hast du gesagt, dass du hierhergekommen bist, um Titel zu gewinnen. Wie bereitet ihr euch auf das wichtige Halbfinale gegen Berlin in so kurzer Zeit vor, zumal ihr am Mittwoch davor noch gegen Ulm spielt?
Spasić: Wir konzentrieren uns nur auf uns selbst. Wir müssen uns auf die Basics konzentrieren und uns darüber im Klaren sein. Wenn wir die Dinge gut machen, die wir gut können, haben wir gegen jedes Team eine Chance auf den Sieg. Unser Fokus liegt nur auf uns. Nicht auf Alba, nicht auf Ulm und nicht auf Ludwigsburg.
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Frage: Wenn du mit dem Team schon im August in die Vorbereitung gegangen wärst, hättet ihr euch trotzdem in dieser Phase der Saison nur auf euch konzentriert oder wäre da mehr Gegner-Vorbereitung dabei gewesen?
Spasić: Wir würden uns trotzdem hauptsächlich auf uns selbst konzentrieren, etwa 80 Prozent auf uns und 20 Prozent auf das gegnerische Team. Ich versuche, mein Team auf jede Situation vorzubereiten. Wenn der Gegner langsam spielt, haben wir eine Antwort, wenn er schnell spielt, haben wir eine Antwort. Ist der Gegner in einer Zonenverteidigung, können wir reagieren. Deshalb versuche ich im Training immer, mich auf eine Sache zu fokussieren und dafür ein Tool zu entwickeln. Zum Beispiel hatten wir gegen den MBC Probleme mit deren Zonenverteidigung, weil wir vorher noch keine Zeit hatten, uns darauf vorzubereiten.
Frage: Das macht meine letzten Fragen jetzt hinfällig. Ich habe mir für das Berlin-Spiel aufgeschrieben, wie ihr mit dem starken Druck ab der Baseline umgehen wollt, wie ihr Justin Bean und Jack Kayil verteidigen wollt und wie ihr mit der Hedge-Verteidigung umgehen wollt?
Spasić: In unserem System haben wir auf alles eine Antwort. Wir arbeiten jeden Tag hart. Wir wissen, wie wir gegen eine Drop-Defense spielen, gegen eine Hedge-Defense oder gegen eine Switch-Defense.
Das letzte Heimspiel vor dem TOP FOUR in München findet am 14. Februar 2026 um 20 Uhr in der EWE Arena statt. Dabei kommt es nicht nur zum zweiten Duell gegen Ludwigsburg in dieser Saison, sondern auch zum zweiten Aufeinandertreffen der Zwillingsbrüder Nicho und Brandon Tischler.
Ausgangslage
Die MHP Riesen Ludwigsburg dürften mit dem bisherigen Saisonverlauf insgesamt zufrieden sein. Mit einer Bilanz von zehn Siegen und acht Niederlagen befinden sich die Ludwigsburger auf Kurs in Richtung Play-In-Plätze und haben weiterhin die Möglichkeit, sich direkt für die Playoffs zu qualifizieren. Zudem konnten sie drei der letzten fünf Spiele für sich entscheiden.
Am vergangenen Wochenende mussten die Ludwigsburger jedoch eine deutliche Heimniederlage hinnehmen. Vor allem das zweite Viertel, das mit 10 zu 30 verloren ging, erwies sich als spielentscheidend. Am Ende stand eine 74:86-Niederlage zu Buche. Dieses Spiel wollen die Ludwigsburger sicher schnell vergessen machen um in Oldenburg mit einem Erfolg Richtung Postseason zu schauen.
Auch für die Oldenburger ist diese Partie von großer Bedeutung, da auch sie einen weiteren Schritt in Richtung Postseason machen können. Nach zwei Siegen in Folge gegen die NINERS Chemnitz und den Syntainics MBC hat sich das Team von Lazar Spasić wieder in Richtung Play-Ins orientiert. Am vergangenen Wochenende hatten die Baskets spielfrei und konnten diese Pause nutzen, um sich für die kommende intensive Phase der Saison etwas zu regenerieren.
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Denn nach dem Spiel in Ludwigsburg geht es für Oldenburg direkt weiter nach Ulm, ehe am darauffolgenden Wochenende das TOP FOUR ansteht.
Bei den Oldenburgern dürfte zudem spannend werden, welcher der sieben ausländischen Spieler pausieren muss. Kyle Lofton meldete sich zuletzt mit 14 Punkten stark zurück und macht die Entscheidung für Spasić damit nicht einfacher. Fraglich ist jedoch, ob sich diese Personalfrage überhaupt stellt. Im Spiel in Weißenfels setzte James Woodard aus, da er sich zuvor bereits leicht angeschlagen durch mehrere Partien gekämpft hatte.
Sollte Woodard rechtzeitig zurückkehren, bleibt es offen, welcher Spieler am Samstag aussetzen muss.
Key to win
Mit defensiver Physis ins Spiel starten
Guards der Ludwigsburger stoppen
Fastbreakpunkte
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Es wird entscheidend sein, das Spiel von Beginn an in der Verteidigung mit hoher Intensität und Physis zu gestalten. So sollte verhindert werden, dass die Gegner gerade in der ersten Halbzeit große Scoring-Läufe erzielen. Ein Blick auf die letzten beiden Spiele der Oldenburger zeigt, dass dies häufig der Fall war. Besonders gegen Chemnitz kassierten die Oldenburger in der ersten Halbzeit viele Läufe, konnten das Spiel aber dank hoher defensiver Physis in der zweiten Hälfte noch drehen. Darauf sollte man sich jedoch nicht immer verlassen, weshalb ein aggressiver Start in der Verteidigung von Beginn an notwendig ist.
Zudem ist es wichtig, die beiden Guards Traveon Buchanan und Stefan Smith defensiv gut zu kontrollieren. Beide agieren häufig in Isolation, und Ludwigsburg ist das Team mit den wenigsten Assists der Liga, durchschnittlich 13,8 pro Spiel. Dies dürfte auch ein Grund dafür sein, dass Lofton am Samstag den Vorzug vor Woodard erhält. Denn Lofton ist ein starker Guard-Verteidiger, insbesondere in Eins-gegen-Eins-Situationen.
Bei den Ballverlusten zählt Ludwigsburg zu den schwächsten Teams der Liga und gibt durchschnittlich 15,7 Bälle pro Spiel ab. Durch eine körperbetonte Verteidigung sollten die Oldenburger daher versuchen, Ballgewinne zu erzwingen und daraus schnelle Fastbreak-Punkte zu generieren.
Ausblick
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Es wird spannend zu beobachten sein, ob die Oldenburger einen weiteren Schritt in Richtung Play-Ins machen und diese wichtige Woche mit einem Erfolgserlebnis beginnen können, um mit einem guten Gefühl in den Süden zu reisen.